Klimaschutzprojekt des Bistums Eichstätt (in Vorbereitung)
Im Bistum Eichstätt gibt es seit 1992 eine Fülle von Klimaschutzaktivitäten, welche nun in einem Klimaschutzprojekt gebündelt werden.
Eine Grundlage für die Neuausrichtung war der Beschluss der Vollversammlung des Diözesanrats des Bistums Eichstätt zur Umsetzung der Bayerischen Klima-Allianz.
Klimaschutzkonzept für die Diözese Eichstätt - Projekt startet am 1. April
Eichstätt. (pde) - Die Entwicklung eines integrierten Klimaschutzkonzepts im Rahmen der Klimaschutzinitiative der Bundesregierung plant die Diözese Eichstätt. Einen entsprechenden Förderantrag hat Generalvikar Johann Limbacher beim Bundesumweltministerium eingereicht. Das Projekt geht auf eine entsprechende Initiative des Diözesanrats zurück. Start für das auf ein Jahr geplante Projekt ist am 1. April 2010.
Bei der Initiative der Diözese Eichstätt geht es nicht um ein „Konzept von oben“, so in dem Antrag. „Das Klimaschutzkonzept soll gemeinsam mit den Beteiligten, den Pfarrgemeinden, Verbänden und allen Institutionen entwickelt werden.“ Bei der Umsetzung der Klimaschutzziele seien die Pfarrgemeinden in besonderem Maße gefragt: „Hier wird in Liegenschaften ein großer Teil klimarelevanter Emissionen produziert, dem ein enormes Einsparpotenzial gegenüber steht.“
Ziele des Projekts sind die Entwicklung eines Gesamtkonzepts, die Sicherung langfristig bezahlbarer Energiepreise durch erneuerbare Energie und Energieeinsparung sowie eine Abstimmung mit der langfristigen Pastoralplanung. Mit der Initiative will das Bistum den kirchlichen Handlungsspielraum im Bereich Klimaschutz und Energie ausschöpfen und seiner Mitverantwortung bei der Unterstützung der Umsetzung der Klimaschutzziele von Bund und Freistaat gerecht werden.
Das Klimaschutzkonzept baut auf zahlreichen Vorarbeiten im Bistum Eichstätt auf: Aktivitäten und Modellprojekte seit 1992 wie dem Jugendhaus Pfünz, Kloster Rebdorf oder dem Jugendhaus Fiegenstall, den 2001 vom Diözesanrat eingebrachten Umweltleitlinien, der Beteiligung am Modellprojekt „Zukunft einkaufen“ und der Förderung von Solaranlagen durch das Bistum Eichstätt.
Mehr Informationen zum Klimaschutz im Bistum Eichstätt:
Klimaschutz-Offensive des Bistums Eichstätt - Umsetzung der Bayerischen Klima-Allianz
Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Eichstätt begrüßt ausdrücklich die Selbstverpflichtung zum Klimaschutz, die die bayerischen Bistümer im Rahmen der „Bayerischen Klima-Allianz“ durch die Unterzeichnung der Grundsatzerklärung zusammen mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern und der Bayerischen Staatsregierung am 11. Januar 2007 eingegangen sind.
Darin verpflichten sich die Bistümer „ihre vielfältigen Möglichkeiten der Bildungs- und Umweltarbeit engagiert wahrzunehmen“, aber auch „durch energetische Optimierung der eigenen Liegenschaften, durch Maßnahmen zur Energieeinsparung und durch verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien“ konkrete Zeichen für den Klimaschutz in ihrem eigenen Wirkungsbereich zu setzen.
Der Diözesanrat Eichstätt erklärt hiermit seine Bereitschaft die Umsetzung dieser Vereinbarung mit all seinen Kräften zu unterstützen. Insbesondere der Sachausschuss „Kirche und Umwelt“ des Diözesanrates bietet dem Bistum seine Mitarbeit an. Der Diözesanrat sieht die Klimaschutz-Allianz als eine Säule, des 2001 beschlossenen Programms „Diözesane Agenda 21 – Netzwerk für die Schöpfung“ und als Fortführung dieses Programms.
Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und einer drohenden globalen Klimakatastrophe (IPCC Bericht 2007) darf die Erklärung kein Lippenbekenntnis bleiben. Wir fordern deshalb von der Bistumsleitung eine sofortige und wirksame institutionelle Verankerung des Klimaschutzes im Bistum Eichstätt.
Dazu schlagen wir vor, folgende im öffentlichen Bereich bewährte Schritte in die Diskussion einzubeziehen:
1. Verankerung des Klimaschutzes und der Anpassung an den Klimawandel als diözesane Aufgabe
Mit dem Beitritt zur Bayerischen Klima-Allianz hat das Bistum Eichstätt den Klimaschutz als wichtige Aufgabe bereits beschlossen. Ein ausdrückliche Anordnung des Bischofs sollte den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel institutionell verankern und deshalb die Bearbeitung der folgenden Schritte beinhalten.
2. Zuständigkeiten für Klimaschutz schaffen
Da der Klimaschutz nicht zu den Pflichtaufgaben des Bistums gehört und für die meisten ein neues Handlungsfeld ist, muss dafür eine Zuständigkeit in der Bistumsverwaltung geschaffen werden. Diese sorgt für die Konzeption der Klimaschutzstrategie sowie – während der Umsetzung – für eine effektive Koordination zwischen den verschiedenen beteiligten Abteilungen und Ebenen. Da Klimaschutz eine Querschnittsaufgabe ist, sollte ein Mitspracherecht bei allen klimarelevanten Planungen (z.B. bei Sanierung/Neubau von Gebäuden) sowie ein eigenes Budget eingerichtet werden. Diese Zuständigkeit sollte direkt beim vom Bischof angekündigten Arbeitskreis Ökologie verankert werden.
3. Einbeziehung der Kirchenstiftungen und anderer kirchlicher Einrichtungen auf Bistumsgebiet
Das anspruchsvolle Ziel der Klimaschutzes kann nur erreicht werden, wenn zusätzlich zu den Handlungsmöglichkeiten im direkten Einflussbereich des Bistums auch die Kirchenstiftungen und andere kirchliche Einrichtungen auf Bistumsgebiet in den Klimaschutz einbezogen werden. Eine Verknüpfung mit ähnlich gelagerten Aktivitäten muss gesichert werden. Generell ist es notwendig, den Beitritt zur Klima-Bündnis und die damit eingegangene Selbstverpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit zu kommunizieren und sie zu eigenem Handeln aufzurufen.
4. Leitbilder entwickeln – Prioritäten setzen
Durch einen Abgleich mit bereits umgesetzten Maßnahmen zum Klimaschutz, dem notwendigem Aufwand und der Wirkungstiefe zusätzlicher Maßnahmen werden Prioritäten für die zukünftigen Klimaschutzaktivitäten gesetzt. Für einen wirksamen Klimaschutzes ist eine ganzheitliche und querschnittsorientierte Vorgehensweise im Sinne der 2001 vom Diözesanrat beschlossenen 10. Umweltleitlinie des Bistums Eichstätt nötig.
5. Verbindliche Klimaschutzziele festlegen
Zusätzlich zur allgemeinen Selbstverpflichtung durch die Klima-Allianz sollten kurz und mittelfristige Ziele, die unter den derzeitigen Rahmenbedingungen erreichbar sind, festgelegt werden. Hierbei ist eine Abstimmung mit anderen ökologisch, relevanten Bereichen notwendig (z.B. Lebensweise und Spiritualität, Liturgie und Verkündigung, Bildung, Bauen und Energie, Bewirtschaftung kirchlicher Häuser, kirchliche Flächen, Büro und Verkehr nötig (vgl. Umweltleitlinien Bistum Eichstätt, 10., 2001). Wir schlagen als ehrgeiziges Ziel vor, dass sich das Bistum verpflichtet, den CO2 - Ausstoß jährlich um 5 bis 10 % zu senken, um spätestens bis zum Jahr 2020 die CO2 -Neutralität zu erreichen. CO2 -Neutralität muss dabei nachhaltig erreicht werden, d.h. sie darf nicht auf Kosten der globalen Ökosysteme (Regenwälder, etc.) erfolgen.
6. Sofortmaßnahmen einleiten
Als konkrete Sofortmaßnahme schlagen wir eine bistumsweite Energiesparaktion vor. Für diese Maßnahme kann eine Förderung durch das CO2 Minderungsprogramm des Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (30.000 € Förderung plus Eigenanteil) beantragt werden. Hiermit könnten bis 2010 bereits 250 Energieverbrauchsmessungen an Gebäuden der Kirchenstiftungen und kirchlichen Einrichtungen gefördert werden. Diese Energieberatung sollte auch als breiterer Einstieg in das bereits bestehende kirchliche Umweltmanagement nach EMAS dienen. Für die Fortführung und weitere Umsetzung des Modellprojekts „Diözesane Agenda 21“ mit dem neuem Schwerpunkt Klimaschutz soll eine Förderung bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt bzw. dem Freistaat Bayern angestrebt werden.
Weitere Sofortmaßnahmen wie z.B. das Projekt „Essen /Einkaufen für den Klimaschutz“, das die Umstellung auf regional-ökologische Nahrungsmittel in Einrichtungen des Bistums bis 2010 vorsieht, sind denkbar. Diese Umstellung ist z.B. in der Mensa der Katholischen Universität, dem Jugendhaus Pfünz und dem Kloster Plankstetten bereits erfolgt
7. Ein systematisches Klimaschutzkonzept erstellen
Das Bistum sollte ein möglichst umfassendes Klimaschutzkonzept erarbeiten, das auf jeden Fall den Bau-, Energie- und Verkehrsbereich umfasst, und möglichst auch weitere Handlungsfelder wie Materialbeschaffung, Land- und Forstwirtschaft, Entwicklungs-Zusammenarbeit, sowie die Katholische Universität Eichstätt, usw. einbezieht. Außer einer Ist-Analyse der Treibhausgas-Emissionen und der Verursacherbereiche sowie der Erarbeitung von Potenzialen oder Szenarien zur zukünftigen Entwicklung und zum klimapolitischen Handlungsspielraum sollte solch ein Konzept konkrete, auf die spezifische Situation abgestimmte Handlungsvorschläge enthalten.
8. Das Klimaschutz-Aktionsprogramm verabschieden und umsetzen
Aufbauend auf den festgelegten Prioritäten bzw. dem Klimaschutzkonzept werden die dort formulierten Handlungsvorschläge weiterentwickelt und als mittelfristiges Aktionsprogramm beschlossen. Die Maßnahmen des Aktionsprogramms werden zeitnah bzw. entsprechend dem Zeitplan im Aktionsprogramm umgesetzt. Dabei ist es sinnvoll, Zwischenziele zu formulieren und die praktische Umsetzung mehrstufig anzulegen.
9. Regelmäßiges Monitoring durchführen
Im Hinblick auf das CO2-Reduktionsziel sollte in regelmäßigen Abständen eine verursacherbezogene CO2-Bilanz für den Energie- und Verkehrsbereich erarbeitet werden. Die CO2-Bilanz, die erstmals für das Basisjahr erstellt wurde, sollte möglichst alle zwei Jahre fortgeschrieben werden. Zusätzlich zur CO2-Bilanz, die nur begrenzte Aussagen über die Auswirkungen der Klimaschutzpolitik zulässt, sollten geeignete Indikatoren zur Erfolgskontrolle genutzt werden.
10. Fortschritte im Klimaschutz kommunizieren
Regelmäßige Klimaschutzberichte umfassen eine für die breite Öffentlichkeit und Katholiken im Bistum Eichstätt verständliche Aufstellung und Beschreibung der durchgeführten Maßnahmen. Interessant ist auch ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis sowie positive Sekundäreffekte wie geschaffene Arbeitsplätze, Verbesserung der lokalen Umweltsituation oder Kosteneinsparung.
Die Vollversammlung des Diözesanrates bittet die Bistumsleitung, den bereits 2001 beschlossenen „Nachhaltigkeitsbericht für das Bistum Eichstätt“ in Auftrag zugeben. Dieser soll möglichst neben einer Bestandsaufnahme auch einen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten und Projekte im Bistum Eichstätt der letzten 10 bis 15 Jahre geben. Dieser Bericht sollte vor der Herbstvollversammlung 2007 vorliegen.
Die Vollversammlung des Diözesanrates beschließt hiermit die Herbst-Vollversammlung 2007 dem Themenschwerpunkt „Klimaschutz - „Ökologie des Herzens“ - Bewahrung der Schöpfung“ zu widmen.“ Dabei sollte das Leitbild „Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel“ in die Umweltleitlinien des Bistums Eichstätt aufgenommen werden.